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| Start | Mordskunst | Tobias Gohlis im Gespräch mit Friedrich Ani über Idylle der Hyänen | |
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Ein ungewöhnliches Team Tobias Gohlis im Gespräch mit Friedrich Ani GOHLIS: Im Roman Idylle der Hyänen nimmt in der Münchner Burgstraße ein ganzes Zwölfer-Team die Arbeit auf. Was sind das für Leute? ANI: Es sind 12 — also elf Kommissare und Kommissarinnen
und eine Assistentin. Die Assistentin ist auch Protokollantin, was extrem
wichtig ist, weil sie sämtliche Vernehmungen mittippt und natürlich
das Vertrauen aller genießt. Sie werden die „zwölf Apostel“
genannt, eine Floskel, die im ganzen Präsidium herumgeht. Denn eines
Tages kam der Polizeipräsident in das Büro, und die 12 waren
gerade beim Essen. Es gibt dort einen langen Tisch, an dem sie sich immer
treffen, und Polonius Fischer hat aus seiner Zeit als Mönch eine
Angewohnheit mitgebracht, die er dann merkwürdigerweise auch im Polizeialltag
beibehalten hat: Während gegessen wird, liest er eine Textstelle
aus einem Roman oder aus einem philosophischen Werk vor. Er liest ruhig
im Hintergrund, während die anderen einfach schweigend essen. Und
da kam dieser Präsident vorbei und dachte, er traue seinen Augen
nicht, und hat dann überall erzählt, er hätte eine Vision
gehabt: Er hätte die zwölf Apostel gesehen. GOHLIS: Ein äußerst merkwürdiger Mensch, dieser Polonius Fischer, aber auch schon Tabor Süden war nicht ohne Kanten und Ecken. Was haben die beiden gemeinsam, was trennt sie voneinander? ANI: Die Größe, natürlich … Polonius Fischer ist ein sehr großer Mann. Vor allem aber unterscheidet die beiden, dass Polonius Fischer vollkommen in der Gegenwart lebt; er ist einer, der — anders als Tabor Süden — weder Melancholiker ist noch eigentlich ein Verzweifelter, einer, der eine Schleppe an Verzweiflung hinter sich herzieht. Er ist jemand, der die Menschen und die Dinge, die passieren, manchmal mit einem enorm kalten Blick betrachtet. Durch seine Vergangenheit hat er ein sehr cooles Verhältnis zu Gott. Er weiß, dass es ihn gibt, und er weiß, dass es unmöglich ist, ohne Gottesvorstellung zu leben. Aber er weiß auch, dass das in seinem Beruf oft irrelevant ist, weil das, was passiert, nicht mit solchen Worten zu beschreiben ist, nicht mit solchen Worten zu lösen ist. Doch er versucht es trotzdem, weil er anders damit nicht umgehen kann und will. Also ist er in gewisser Weise ein Solitär unter seinen Kollegen, und von allen Figuren, die ich bisher erfunden habe, ist er mit Sicherheit der Stärkste, der Kraftvollste. GOHLIS: Das ist er, weil er an Gott glaubt und sozusagen mit Gott lebt, als Christ lebt? ANI: Auf jeden Fall lebt er als Christ. Er hat, glaube ich, ein sehr gesundes Verhältnis zur katholischen Kirche, der er angehört, aber er würde sich, glaube ich, in einem Gespräch sehr stark unterscheiden von Menschen, die diese Kirche ernster nehmen. Er hat da einen sehr eigenen Blick auf dieses Vereinsleben, es interessiert ihn weniger. Was ihn beschäftigt, ist eine ganz andere Frage: Wie es überhaupt möglich ist, jemandem umzubringen? Das hat er immer noch nicht begriffen. Natürlich, im Affekt und so weiter, das kann passieren, trotzdem, trotzdem: Dass in dem letzten Moment nichts einrastet, dass es da kein Stopp gibt, das beschäftigt ihn, das beschäftigt ihn sehr. Gleichwohl hat er eine sehr seltsame Einstellung zum Selbstmord. Im Buch geht ja zum Großteil auch um Selbstmord, und dazu hat er eine offene, seltsam offene Einstellung. Das Gespräch
wurde am 26.3.2006 in München geführt Zu Idylle der Hyänen siehe auch: Ein
moderner philosophischer Kriminalroman und Gott
war tot
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| © Tobias Gohlis | |||